Corona und Insolvenzrecht


Von Melanie Döring
17. April 2020

Corona und Insolvenzrecht

Muss ich jetzt Insolvenz anmelden? Was bedeutet die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis 30.09.2020 für mich?

Die Insolvenzantragspflicht ist nur dann ausgesetzt, wenn die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Folgen der Corona-Krise beruht. Zudem ist erforderlich, dass Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit bestehen. Sie sollen dadurch die Gelegenheit erhalten, für Ihr Unternehmen ein Insolvenzverfahren durch die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen, ggf. auch im Zuge von Sanierungs- und Finanzierungsvereinbarungen abzuwenden.
Zudem haften Sie als Geschäftsführer bis zum 30. September 2020 nur eingeschränkt für Zahlungen, die Sie nach Eintritt der sog. Insolvenzreife des Unternehmens vornehmen. Darüber hinaus gelten neue Kredite, die bis zum 30. September 2020 aufgenommen werden, nicht als sittenwidriger Beitrag zur Insolvenzverschleppung. Zudem sind Leistungen an Ihre Vertragspartner nur eingeschränkt anfechtbar
Auch Ihre Gläubiger können in diesem Zeitraum keine Insolvenzanträge stellen. Das heißt, Sie können nicht gegen Ihren Willen in ein Insolvenzverfahren gezwungen werden.

Können Unternehmen vorsorglich Insolvenzantrag stellen und diesen zurücknehmen, wenn sich die Corona-Situation möglicherweise schon in wenigen Wochen wieder gebessert hat und normales Wirtschaften wieder möglich ist?

Ja, bis zur Insolvenzeröffnung kann ein Insolvenzantrag jederzeit zurückgenommen werden. Zu einer Eröffnung kommt es meist erst zwei bis drei Monate nach Antragstellung.

Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, um in der gegenwärtigen Situation Zeit zu gewinnen und einen Insolvenzantrag zu vermeiden?

Sie können beispielsweise mit Lieferanten verbindliche Stundungs- oder Ratenzahlungsvereinbarung treffen. Damit verschieben Sie die Fälligkeit der Forderungen. Um diese Vereinbarungen nachweisen zu können, sollten sie schriftlich geschlossen werden. Eine besondere Form ist nicht erforderlich. Eine Bestätigung des jeweiligen Lieferanten per E-Mail reicht aus.

Zudem stehen staatliche Überbrückungs- und Betriebsmittelkredite für solche Unternehmen zur Verfügung, die von der Corona-Krise betroffen sind. Um dabei keine Zeit zu verlieren, empfiehlt es sich, bei der Beantragung von Krediten erfahrene Sanierungsexperten einzuschalten, um den Betrieb nicht als Ganzes zu gefährden.


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